Konversionsprojekt

Von Luxemburgs größter Stahlhütte zum modernen Stadtquartier

Wo einst Luxemburgs größte Eisenhütte stand, entsteht heute eines der ambitioniertesten städtebaulichen Entwicklungsvorhaben in Europa – mit einer Besonderheit: Teile der ehemaligen Industrieanlage bleiben erhalten und werden auf einzigartige Weise ins neue Konzept integriert. So sind die beiden letzten Hochöfen nicht nur Zeugen einer längst vergangenen Zeit, sondern Wahrzeichen des neuen Belval. 

Entdecken Sie auf der nachstehenden Karte die Zeitzeugen der Vergangenheit und ihre aktuelle und künftige Bestimmung.

Hochofenanlage

Die beiden noch verbliebenen Hochöfen A und B prägen mit ihrer Höhe von 82 bzw. 90 Metern noch heute maßgeblich die Silhouette von Belval. Der Hochofen A diente seit 1990 lediglich als Reserve. Aufgrund seines sehr guten Zustandes wurde er komplett konserviert und wird künftig das Nationale Zentrum für Industriekultur (Centre National de la Culture Industrielle) beherbergen. Bereits heute besteht hier die Möglichkeit, bis auf die Gichtplattform in 40 Metern Höhe hinaufzusteigen und Belval von oben zu betrachten. Hochofen B wurde dagegen lediglich als Hülle und städtebauliche Landmark erhalten.

Direktionsgebäude

Das ehemalige Direktionsgebäude des Stahlwerks aus dem Jahr 1914 wurde 2002 aufwändig renoviert und ist heute Sitz der Entwicklungsgesellschaft Agora.

Umkleide- und Werkstatträume der Hochofenarbeiter

Das Gebäude, in dem sich früher die Umkleideräume und Sanitäreinrichtungen der Hochofenarbeiter befanden, wurde 1969 errichtet und in den Jahren 1972 und 1978 erweitert. Es wurde nach Plänen der Luxemburger Architektin Arlette Schneiders umgebaut und beherbergt seit 2012 ein Existenzgründerzentrum. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes blieb dabei komplett erhalten, der Neubau wurde in die alte Gebäudehülle integriert. Seit 2000 ist das Gebäude Teil der erweiterten Denkmalliste Luxemburgs (Inventaire supplémentaire des Sites et Monuments Nationaux).

Gebläsehalle

Die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute “Halle des Soufflantes” ist ein Gebäude von gigantischen Ausmaßen: 160 Meter lang, 70 Meter breit und 28 Meter hoch. Die Dimensionen der Halle sind fast identisch mit denen der weltberühmten “Tate Modern” in London, die erst 1950 erbaut worden ist. Als Teil der Hochofenanlage wurde in der Gebläsehalle Gas in Elektroenergie umgewandelt und gleichzeitig über Gasgebläse Wind erzeugt. Die gewonnene Energie diente unter anderem zum Antrieb der in den Stahl- und Walzwerken erforderlichen Maschinen. Die künftige Nutzung der Gebläsehalle ist noch ungewiss. (Quelle: Die Adolf-Emil-Hütte in Esch. In: Stahl und Eisen 33.Jahrgang, Nr. 18, 1.Mai 1913)

Sinteranlage

Westlich der Hochofenanlage schloss sich die sogenannte Sinteranlage an. Hier wurde pulveriges Eisenerz mit Konzentraten sowie Zuschlägen zusammengebacken und zu sogenannten Pellets verarbeitet, welche anschließend in den Hochöfen zu Roheisen weiterverarbeitet wurden. Die Pellets konnten die Gase, die beim Stahlkochen entstehen, besser entweichen lassen und halfen so, die Qualität des Endprodukts zu verbessern. Erhalten sind noch Teile der Kamine und zwei Sinterbecken. Sie werden in die Square Mile-Bebauung integriert.

Gasfackel

Aus der Verbrennung von Erz und Koks in den Hochöfen entstand auch Gas, das aufgefangen wurde, um im Produktionsprozess der Gusseisengewinnung wieder Verwendung zu finden. Um den Druck im System zu regeln, wurde überschüssiges Gas über sogenannte Gasfackeln verbrannt. Die Gasfackel wird als Monument erhalten bleiben.

Highway

Der sogenannte Highway ist eine auf Betonstützen aufgeständerte Erschließungsstraße, die die Gießhallen der Hochöfen A und B miteinander verband. Er hatte eine Gesamtlänge von 538 Metern und eine Breite von rund 6 Metern. Teile dieser Erschließungsstraße wurden originalgetreu nachgebaut und in den städtebaulichen Kontext integriert, beispielsweise der Abschnitt zwischen der Gießhalle des Hochofens A und der „Maison de l’Innovation“.

Möllerei

Die Möllerei ist neben den beiden Hochöfen A und B eines der Hauptrelikte der Stahlindustrie in Belval. Sie diente der Aufbereitung der sogenannten Beschickung, einem Gemisch aus Koks, Erz und weiteren Stoffen, das den Hochöfen zugeführt wurde. Das Gebäude ist 170 Meter lang und wurde als charakteristischer Bestandteil des Standortes in seinem Volumen und seiner Hülle konserviert. Der Großteil der Anlagen wurde entkernt und der nördliche Gebäudeabschnitt beherbergt heute die Universitätsbibliothek. Der südliche Gebäudeabschnitt mit den noch vorhandenen Anlagen soll in Zukunft im Rahmen des Nationalen Zentrums für Industriekultur zu besichtigen sein.

Massenoire

Südlich der Hochofenanlage befindet sich das sogenannte “Schwarze Masse”-Gebäude. Hier wurde die Verschlussmasse für die Hochofenstichlöcher, die sogenannte "Schwarze Masse" auf Teerbasis präpariert. Mit der Einführung des Gegendruck-Verfahrens wurde die Herstellung der Schwarzen Masse eingestellt und die Werkstatt bereits Ende der 70er Jahre stillgelegt. Heute befindet sich hier eine Ausstellung zur Cité des Sciences (Stadt der Wissenschaften), die deren Entwicklungsprozess begleitet und dokumentiert.

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